TYROLIA AM BALL – unter diesem Titel berichtet Walter Fiala über diverse Veranstaltungen.

 

STM Einzel Herren, 26. und 27.03.2011, Plus – Gott sei Dank ein „richtiger“ Sieger

 

Diesmal erlaube ich mir einen Bericht der etwas anderen Art – eine Nachlese, die vielleicht zum Nachdenken anregt.

 

Vorweg möchte ich den Medaillen-Gewinnern recht herzlich zu ihren Leistungen gratulieren. Thomas Gross war ein würdiger Sieger, Alex Pittesser sein beherzt und erfolgreich spielender erster Verfolger und Kurti Weiss ein letztendlich aufgrund des knappen Vorsprungs doch glücklicher, aber dennoch hoch verdienter, Dritter.

Diese Einleitung ist mir ein Bedürfnis, weil die Aktiven an den von mir in der Folge etwas näher beleuchteten Bedingungen keinerlei Schuld trifft.

Meine sportliche Hochachtung und Wertschätzung für alle Final-Teilnehmer!

 

Was störte mich eigentlich dann bzw. was stört mich schon seit einigen Jahren? Ganz einfach: es ist der in vielerlei Hinsicht eigenartige Austragungsmodus.

Ich sage es frei von der Leber weg: es wird so ausgeschrieben, damit ein „Richtiger“ (sprich: nach Ansicht der Offiziellen einer der – an einer Hand abzuzählenden - wirklich Guten) gewinnt – und es hat auch heuer wieder Gott sei Dank der richtigste „Richtige“ gewonnen. Nochmals Gratulation und Chapeau für dich, Tom.

Nicht vorstellbar, was in den Folgejahren passiert wäre, hätte zum Beispiel der von mir hoch geschätzte Kurti Weiss gewonnen – oder gar ein Senior, wie der von mir ebenso hoch geschätzte Gery Fuchs…

Eine – gar nicht so scherzhaft gemeinte - Vermutung meinerseits: man hätte in den Folgejahren vermutlich an zwei aufeinander folgenden Wochenenden jeweils samstags und sonntags eine Round Robin über 15 Spiele gespielt und davor noch jeweils zwei Sechser-Serien, um sicherzustellen, dass Österreich beim Einzel-Europacup von einem „würdigen“ und „richtigen“ Teilnehmer vertreten werden kann.

Jeder andere könnte, ja würde sogar (nach Ansicht der Entscheidungsträger) beim Einzel-Europacup wahrscheinlich „abkacken“ (Entschuldigung!) und das kann sich unser im Bowlingsport ja so erfolgreiches Land sicher nicht leisten. Viele andere Bowlingländer dürften unter diesen Umständen überhaupt keinen Teilnehmer mehr entsenden – tun es aber trotzdem. Warum wohl?

Weil sich der Staatsmeister unter den üblichen nationalen – und nicht internationalen! – Bedingungen im fairen Wettkampf gegen seine sportlichen Gegner durchsetzen soll.

Mit gleichen Chancen für alle und unter Bedingungen, die man vorher trainieren kann

Nicht etwa unter erschwerten - sogenannten internationalen - Bedingungen (was immer das heißt), die er dann im Einzel-Europacup auszuhalten hat.

Dafür kann er ja noch immer mit Unterstützung des Verbandes lange genug zu Hause üben.

Ich stelle ausdrücklich fest, dass ich nichts gegen die aufgebrachte Ölung der Plus-Bahnen einzuwenden hatte. Aus egoistischer Sicht müsste ich sogar sagen, selektivere Bahnen sind mir lieber als alle anderen, weil ich da durch mein unkompliziertes Spiel (das manche „Bowlingprofessoren“ aus unseren Reihen gering schätzend belächeln werden) eher auf Augenhöhe mit den (oft leider nur selbst ernannten) „wirklich Guten“ bin. Eine auch den Bundesländer-Vertretern aus anderen Bewerben in der Wiener Plushalle bekannte Ölung hätte es allerdings auch getan.

 

Liebe Offizielle, wenn ihr keinen Zufallssieger haben wollt oder ertragen könnt, dann seid ihr im Gegensatz zu allen anderen Sportarten auf der falschen Spur. Ein Staatsmeister kann in jeder anderen Sportart auch durch Zufall gekürt werden, aber nicht wirklich durch Zufall, sondern weil einer der Aktiven halt eine besonders gute Tagesform ausspielen kann oder ihm die Verhältnisse in die Karten spielen, er sich auf die Verhältnisse besser einstellen kann als seine Konkurrenten.

Es gibt auch im Skilauf Olympiasieger und Weltmeister, die davor noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen haben. In Kitzbühel Abfahrtssieger, die normal als Slalomspezialisten gelten und viele andere Beispiele mehr - aus wirklich allen Sportarten.

 

Zurück zu unserem Bewerb: die zweimal sechs Spiele am Samstag – OK. Was sollen jedoch die albernen 4 weiteren Spiele vor der Round Robin am Sonntag? Genügen nicht schon 11 Spiele head-to-head als ausreichende Selektion? Wem tut das weh, sollte es doch einmal einen sogenannten Zufalls-Sieger geben?

Wieso müssen Pins aus dem Semifinale unbedingt mitgenommen werden? Vor -zig Jahren hat man sich schon einmal von diesem unseligen Modus verabschiedet, weil der Vorsprung eines Spielers praktisch uneinholbar war. Aber jetzt will man das ja offensichtlich. Wäre übrigens heuer fast in die Hose gegangen, das Ganze.

Es ist doch schön und spannend, dass ein Finale bei Null beginnt und alles offen lässt. Ist einer wirklich der Beste, dann gewinnt er ohnehin. Und hat ein Favorit einmal einen schlechten Tag, oder besser gesagt ein anderer Spieler einen besonders guten Tag, dann hat er halt verspielt und der andere gewonnen. Muss doch zu überleben sein, lieber österreichischer Bowlingsport.

Will man keine Senioren oder gar unroutinierte Junioren bei der Staatsmeisterschaft, denen dann im wichtigen Augenblick – dem Einzel-Europacup - halt noch die Abgeklärtheit fehlen könnte?

Ein böser Irrtum, liebe Verantwortliche. Staatsmeisterschaft und Einzel-Europacup sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Der wichtige Augenblick ist die Staatsmeisterschaft!

Entkoppelt das endlich und gebt auch dem – in unserem Sport ohnehin äußerst selten eintretenden – Zufall eine Chance. Das ist ja das Schöne an so einem Staatsmeister-Bewerb, sollte es zumindest sein.

 

Es genügt, in Wien zwei Vorselektionen mit jeweils 9 Spielen zu absolvieren, am Semifinal-Tag zusammen mit allen Bundesländer-Vertretern zweimal 6 Spiele zu spielen und dann eine 11-Spiele-Round-Robin am Finaltag – ohne Pin-Mitnahme - laufen zu lassen. Lasst die Vernunft walten und gebt dem Zufall eine kleine Chance.

Unser Sport wird dadurch nicht untergehen.

 

Bis bald

Walter

mailto:wafi@chello.at