TYROLIA AM BALL – Österr. Cup 2005, Entscheidung, 26. und 27.11.2005, Florido

 

Die Bedingungen: „Highscore-Bahnen in der Florido“ – das war mein Einstieg beim Bericht über die Vorrunde am 5.11.2005. Genau 3 Wochen später sah die Welt im gleichen Bewerb etwas anders aus: offensichtlich als Folge auf den Eklat im Prater vor einer Woche („Autobahnen“, Cut für die Finalteilnahme beim STM-Doppel lag bei mehr als 217 Schnitt, Siegerehrung bei den Herren wurde boykottiert, Diskussionen ohne Ende, ein Offener Brief und und und) wurde eine Ölung gewählt, die uns auf die Niederungen unseres wahren(?) Bowlingniveaus zurück holen sollte. 40 Fuß satt geölt, scharfes aber eben sehr kurzes Finish, außen „zu“ – Bowlerherz, was willst du mehr?

Ein bekannter Unistahl-Spieler (sonst in der Florido „wie zu Hause“) drückte den Frust mit der ironischen Bemerkung aus: „Die Bahnen haben schon ein Finish, aber es beginnt erst beim 5er“.

Liebe Verantwortliche, das kann es doch jetzt wirklich nicht sein. Haben wir jetzt Kriegszustand? Wer tickt da falsch? Wacht auf! Wollt ihr die letzten paar Hundert Verbandsspieler auch noch aus den Hallen treiben? Macht so weiter und ich sage euch heute schon voraus, wer dabei auf der Strecke bleiben wird. Es wird nicht der Spieler X oder die Spielerin Y sein, sondern verbandsgebundenes Wettkampfbowling in Österreich. Unsere maximal 10 „Guten“ werden vielleicht anderswo unterkommen (wenn anfangs der nötige finanzielle Background gesichert ist) und der große Rest wird aufhören, oder in einer Hallenliga, wo es Spaß macht (normal bespielbare Bahnen – keine Highscore-Bahnen, die braucht auch dort keiner wirklich - sowie Speis´und Trank) weiterspielen. Wollt ihr das? Schreibt es doch einfach in einem Offenen Brief an alle BowlerInnen – das ist einfacher. Hört mit dem „Kasperltheater Schnittliste“ einfach auf – ist eh nicht mehr zu ertragen, die Ungerechtigkeit. Jeder, der sich zum Beispiel das Cup-Finalwochenende in der Florido erspart hat – aus welchem Grund auch immer – war ein Gewinner. Bravo! Jetzt wird man bestraft, wenn man spielt. Weit haben wir es gebracht!

Übrigens: nicht, dass ich vielleicht falsch verstanden werde. Ich habe gar nichts gegen schwierige Bahnenverhältnisse – im Gegenteil, meine Chancen als Spieler, der eben nur in der erweiterten Spitze halbwegs mithalten kann und die sogenannten Guten hin und wieder ärgern möchte und auch kann, steigen dadurch wieder. Wogegen ich mich verwehre, ist die überfallsartige Umstellung, quasi die Lotterie, der man als zahlender Kunde immer wieder wehrlos(?) ausgesetzt ist.

Kann man auf solchen Bahnenverhältnissen trainieren, na dann nur her damit – aber nicht jede Woche was anderes und vor allem in ein und derselben Halle was anderes. Stumpfsinn, liebe Verantwortliche! So machen wir uns unseren geliebten Sport selbst kaputt!

Wo gibt es noch einen ernsthaften Sport, oder einen solchen, der es gerne sein möchte, in dem solche Willkür möglich ist? Kann man sich ein Fußballspiel auf Schotterboden vorstellen? Glaubt jemand, dass auch nur ein Golf-Pro antreten würde, wenn auf dem Green üppige Blumenwiese stehen würde? Oder gibt es ein Autorennen, wo in der einen Kurve Schotter liegt und in der anderen Rollsplit und – wenn man in der nächsten Runde wieder vorbeikommt auf einmal Schmierseife?

Zum Kotzen das Ganze!

Warum hat man bei den Vienna Open meines Wissens auf 38 Fuß geölt und bei uns 2 Fuß weiter? Sind wir besser? Nein: wir lassen uns als Kunden auf den Kopf sch... – und zwar x-mal hintereinander und wir unternehmen nichts dagegen. Wir zahlen brav weiter ein und stimmen damit dem Schwachsinn noch zu.

Ich bleibe bei meiner Philosophie, die ich schon mehrmals in meinen Berichten angesprochen habe: es spricht nicht das geringste dagegen, dass es unterschiedliche Bahnenverhältnisse gibt. „Long“, „heavy“, „short“ oder „weiß ich was oil“ – alles ist möglich. Mehr noch: alles muss möglich sein.

Sinnvoll wäre jedoch, wenn es je Halle ein typisches und damit zu erwartendes Bahnenmuster gäbe. Man wäre damit nicht gezwungen, sein eigenes Spiel immer neu zu erfinden, sondern müsste sich halt auf die örtlichen Verhältnisse einstellen. Das Argument, dass den Hallen die Leute davonlaufen, wenn die Bahnen „schwer“ sind, lasse ich nicht gelten, denn eine Bowlinghalle ist ein Wirtschaftsunternehmen, das sich aus mehreren Komponenten seine Vorteile gegenüber der Konkurrenz herauserarbeiten kann. Freundliches Personal, bowlingkundige und freundliche Rezeption, kompetente und freundliche Mechaniker, gute Küche, moderate Preise, Events für alle Altersgruppen, angenehmes Ambiente, sauberes WC und und und – einfach kundenorientiertes Auftreten mit all seinen Facetten. Haben das die Verantwortlichen, die „Leute am Ruder“ schon vergessen? Oder nie gewusst?

Ist die Sache für uns Spielerinnen und Spieler nicht schon teuer genug, verdammt noch mal. Darf es nicht auch noch Spaß machen?

 

 

Das Spiel war ja am Wochenende eher Nebensache, aber in Kurzform, aus meiner Sicht die wesentlichen Daten.

Unser Spiel:  Käptn Heini Bittner musste gegenüber der Vorrunde nur den dienstlich verhinderten Heidi Dostal gegen Josef Sehnal tauschen und blieb beim Rezept „Senioren mit Felix Weissensteiner“. Wir taten uns allesamt im 1/8-Finale gegen BC 3001 sehr schwer, waren vor allem durch die Räumfehler auf einzelne Pins sehr verunsichert. Klar, wenn man verkrampft spielt, weil eben der Ball nicht wie gewohnt laufen will, dann schiebt und drückt und stößt man halt – alles Kapitalfehler bei solchen Verhältnissen. Da mussten wir durch. Es gelang auch, aber mit 5 Pins Vorsprung (2481 : 2476) denkbar knapp. Amen.

Im ¼-Finale war dann leider gegen Unistahl 2 Endstation. Eine sehr enge Partie: pari nach dem ersten Spiel, 7- nach dem zweiten und letztlich doch noch 59 Pins Rückstand, obwohl wir zwischenzeitlich auch schon um mehr als 120 Pins hinten waren.

Ironisch könnte ich hinzufügen: „für den Schnitt gut, dass wir Sonntag länger schlafen konnten“ – tu ich aber nicht. Wir hätten gerne weiter gespielt.

 

Unsere Ergebnisse im Detail:

 

Achtelfinale

 

 

 

Viertelfinale

 

 

 

 

 

 

Spiel 1

Spiel 2

Spiel 3

Serie

Spiel 1

      Spiel 2

Spiel 3

Serie

Gesamtpins

Schnitt

Bittner

126

189

168

483

171

155

166

492

975

162,500

Sehnal

153

199

169

           521

           142

           151

176

469

990

165,000

Weissensteiner

166

163

166

495

144

               -

-

144

639

159,750

Schoppik

177

164

167

508

208

197

132

537

1045

174,167

Fiala

157

137

180

474

180

211

163

554

1028

171,333

Langer

-

               -

-

-

-               

126

151

277

277

138,500

Team-Ergebnis

779

852

850

2481

845

840

788

2473

4954

165,133

Gegner

BC 3001

 

 

 

Unistahl 2

 

 

 

 

 

Ergebnis Gegner

773

757

946

2476

845

847

840

 2532

 

 

 

Die Anderen: Cupsieger wurde BC Unistahl 2 vor Bowling Team Salzburg. Im Semifinale waren BV OÖ 1 gegen BTS und Etoile gegen die späteren Sieger ausgeschieden. Detailergebnisse siehe http://www.bowling-wien.at

Die höchsten Mannschafts-Serien: Im Achtelfinale war der BV OÖ 1 mit 2821 Pins (Bahnen 15/16) am stärksten. Dahinter folgten BC Philippines/Salzburg (2692 auf 27/28), Etoile (2651 auf 21/22) und Stadlau (2636 auf 33/34).

Im Viertelfinale lag Etoile (2657 auf 17/18) vor BV OÖ 1 (2586 auf 21/22) und BC Philippines, S (2547 auf 21/22).

Im Semifinale war der spätere Cup-Sieger Unistahl 2 mit 2595 Pins am stärksten. Gegner Etoile kam auf 2576.

Im Finale reichten 2514 Pins gegen das Bowling Team Salzburg (2450).

Schaut alles mager aus, ist aber verständlich. Zumindest für alle Aktiven, die sich da Samstag und Sonntag in Floridsdorf abmühten.

Die Besten im 1/8-Finale: Fleischhacker (Unistahl 1, 620 Pins), vor Wolfgang Setik (BV OÖ 1, 607) und Peroy (Philippines, 600).

Nur 27 der 240 Spiele waren 200+ (11,25 %, nur jedes neunte Spiel !).

Die Besten im 1/4-Finale: Eder (BTS, mit 576) vor Peroy (562). Nur 8 Spiele mit 200+ (6,7 %, nur mehr jedes 15. Spiel)

Beste Spielerin bei den Damen war in dieser einsamen Nachmittags-Vorrunde von 2 Teams (wurde zeitgleich mit dem ¼-Finale der Herren ausgespielt) unsere Andrea Setik mit 583 Pins. Sie schaffte damit auch das Kunststück, besser als der beste männliche Teilnehmer abzuschließen.  

 

Resümee: Der Österreichische Cup hätte sich normale Verhältnisse verdient. Schade. Ob sich das im nächsten Jahr überhaupt noch 5 Damen-Mannschaften antun werden (ja, so niedlich war heuer das TeilnehmerInnen-Feld) wage ich zu bezweifeln.

Wenn dieses Wochenende dazu beitragen sollte, dass sich endlich alle „Parteien“ gemeinsam an den Verhandlungstisch begeben, um derlei Unsinn, wie er in den letzten Wochen und Monaten GEGEN unseren Sport eingesetzt wird, künftig auszuschließen, dann hat es wenigstens einen Sinn gehabt. Ich zweifle daran, weil ich die Beteiligten leider zu gut kenne und schon zu viele Anläufe im Sand verlaufen sind. So ein Kasperltheater habe ich in meiner schon recht lange andauernden Bowling-Laufbahn schon zig Mal miterlebt. Leider.

Ich verstehe beide Seiten, die Topspieler genauso wie die Hallenmanager, aber bitte lasst wieder die Vernunft sprechen, sonst müssen/sollten wir uns alle einen neuen Sport suchen.

 

Bis bald

Walter